Prof. Dr. Norbert Fischer
Prof-Dr-Fischer
Honorarprofessor am Institut für Volkskunde/Kulturanthropologie sowie Privatdozent für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte am Historischen Seminar der Universität Hamburg;
Promotion in Sozial- und Wirtschaftsgeschichte mit der Arbeit »Vom Gottesacker zum Krematorium – eine Sozialgeschichte der Friedhöfe in Deutschland seit dem 18. Jahrhundert«.

Forschungen, Publikationen, Vorträge und Seminare zur Geschichte von Friedhof, Grabmal, Bestattung, Tod und Trauer.
Japans Kaiserpaar wählt Feuerbestattung

Kaiser Akihito und Kaiserin Michiko knüpfen wieder an das Mittelalter und die frühe Neuzeit an. Wie damals üblich, wurden die Kaiser kremiert. Jahrhundertelang galt für das jeweilige Kaiserhaus die Erdbestattung. Die Entscheidung zur Kremierung ließ der Kaiser anlässlich seines 80. Geburtstages bekannt geben. Ist dies nur eine rein pragmatische Entscheidung?  Die Begründung, wonach die Bestattung und die Grabstätte »möglichst wenig Auswirkung auf das Leben der Bevölkerung haben soll«, lässt das vermuten. Denn viel Platz auf dem traditionellen Gräberfeld der japanischen Kaiser steht nicht mehr zur Verfügung.

Quelle: Reinhard Zöllner, Historiker und Japanologe. Seit 2008 Professor an der Abteilung für Japanologie und Koreanistik der Universität Bonn.

Bestattungskultur

Textausschnitt mit freundlicher Genehmigung von Prof. Dr. Fischer

Bundesweit werden heutzutage über 40% aller Toten eingeäschert.
Dieser Durchschnittswert verschleiert die erheblichen regionalen und konfessionellen Unterschiede sowie das Stadt-Land-Gefälle. So liegt der Anteil der Feuerbestattung in nord- und ostdeutschen Städten nicht selten bei 70-90%. Diskussionen um neue Formen der Bestattungskultur – sei es das Verstreuen der Asche, die »Urne im Wohnzimmer« oder das Aufkommen von »Aschediamanten« – brachten die Feuerbestattung in die Medien. Nicht zuletzt waren es wiederholte Berichte über Bustouren zu ausländischen Krematorien, die von Bestattungsunternehmen organisiert und als »Kaffeefahrt hin zum billigen Tod« gebrandmarkt wurden.»Burn, Baby, Burn« hieß die überschrift in der Satire-Zeitschrift »Titanic«, als sie Anfang 2005 über die »letzte Reise ins Krematorium Chomutov« (Tschechien) schrieb: »Neben der Kirche steht ein lachsfarbener, japanisch anmutender Flachbau. Das Krematorium, wie wir gleich erfahren.« Und weiter: »Ofen auf, Sarg rein, Feuer frei. An der Ofenrückseite ist nun Verbrennungspeepshow … ein praktisches Guckloch im Ofen ermöglicht tiefe Einblicke«. Diese und andere von Bestattern organisierten Werbetouren in preiswerte ausländische Krematorien wurden von den Kirchen – aber nicht nur von ihnen – mit Stichworten wie »Verfall der Bestattungskultur« und »Entsorgungs-Mentalität« kritisiert.

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