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Mobile Krematorien im Einsatz?


 

Nach Aussage des britischen Verteidigungsministers, aber auch nach Presseinformationen, sollen im Ukraine-Krieg „mobile Krematorien” eingesetzt werden. So berichtet beispielsweise „Der Tagesspiegel”: „Ljudmyla Denissowa, die Menschenrechtsbeauftragte des ukrainischen Parlaments, berichtete unter Berufung auf Zeugenaussagen, dass die russischen Truppen über mobile Verbrennungsöfen und Zerkleinerungsgeräte verfügten, um die Leichen zu beseitigen. Sie veröffentlichte ein Foto, das eine solche Verbrennungsanlage auf einem Sattelschlepper zeigen soll. Von unabhängiger Seite ließ sich die Authentizität des Bildes nicht bestätigen.”


Lt. diesem Medium konnten Berichte von ukrainische Behörden und Medien ebenfalls nicht bestätigt werden, nach denen russische Einheiten mobile Krematorien nutzten. Damals hieß es, diese würden eingesetzt, um die Leichen eigener Soldaten zu verbrennen. Dadurch sollten die Zahlen getöteter Truppen vertuscht werden.

Meldungen über derartige Einsätze, auch in China und Bolivien, führten zu Anfragen von Besuchern unserer Website, weshalb wir versuchen zu klären, was sich hinter dem Begriff „mobile Krematorien” verbirgt – und dies unabhängig vom Wahrheitsgehalt solcher Meldungen.

Es kann nicht verwundern, dass Bilder von fahrbaren Verbrennungseinrichtungen bei den meisten Menschen ungute Gefühle erzeugen. Es gibt in Deutschland strenge technische und ethische Vorgaben und Richtlinien, nach denen Krematorien gewissenhaft geprüft werden – sollte es da möglich sein, dass mobile Einäscherungsanlagen durch das Land fahren, um Verstorbene unkontrolliert einzuäschern? Eine Horrorvorstellung!

 

Tatsächlich gibt es in Fachkreisen die Bezeichnung „mobiles Krematorium”.  Auf Anfrage gibt Henrik Clemens, Geschäftsführer der IFZW GmbH & Co. KG, folgende Auskunft:

„Es gibt mobile Krematorien – meistens aber nur ohne Abgasreinigung. Solche Anlagen werden ggf. als Ersatz für Standorte, die saniert werden, aufgestellt. In Deutschland und in den meisten Ländern in Europa wird das nicht mehr gemacht. Es ist i.d.R. einfacher, die Särge vorübergehend an andere Krematorien zu überführen. In Krisensituationen – auch jetzt wegen dem Krieg, gibt es solche Anfragen – kurzfristig lieferbar sind diese Anlagen allenfalls in geringen Stückzahlen.


Aus unserer Erfahrung ist das in den meisten Fällen keine Lösung für die vermuteten oder tatsächlichen Probleme – einfach wegen der geringen Einäscherungskapazität der vorhandenen Anlagen.
Die in der Presse gezeigten „mobilen Krematorien“ jetzt im Krieg – hier handelt es sich um Abfallverbrennungsanlagen – alte Technik – solche Anlagen werden heute so nicht mehr gebaut. Ob die Bilder echt sind, können wir nicht beurteilen.”


Es soll also „mobile Krematorien” in Deutschland gegeben haben, die jedoch, nach unserer Interpretation, keine fahrbaren Anlagen waren, sondern eine Art modulare Elemente, die per Autokran angeliefert wurden, um im Sanierungsfall als Ersatzöfen zu dienen.